Der systemische Blick

Wer mit Familien arbeitet, merkt schnell: Ein Kind, das in der Schule auffällt, ein Jugendlicher, der sich zurückzieht, ein Paar, das nur noch streitet – das sind selten Probleme einer einzelnen Person. Es sind Muster, die zwischen Menschen entstehen. Genau dort setzt systemisches Denken an.

Ein paar Grundgedanken, die mich in meiner Arbeit leiten:

Niemand ist allein das Problem. Verhalten hat immer einen Zusammenhang. Wer nur auf den Einzelnen schaut, übersieht das Umfeld, in dem das Verhalten Sinn ergibt.

Jede Familie hat Stärken. Auch dort, wo gerade vieles schiefläuft, gibt es Erfahrungen, Fähigkeiten und Beziehungen, die tragen. Sie zu finden, ist oft der erste Schritt.

Es geht um Lösungen, nicht um Schuld. Die Frage „Wer hat angefangen?“ führt selten weiter. Die Frage „Was soll anders werden, und was braucht es dafür?“ dagegen schon.

Alle Seiten haben ihre Berechtigung. In Konflikten hat jeder seine Sicht, und jede davon ist aus der jeweiligen Position heraus nachvollziehbar. Diese Haltung, die man Allparteilichkeit nennt, ist für mich die Grundlage jeder Arbeit mit Familien.

Kleine Veränderungen wirken. Familien sind Systeme. Wenn sich an einer Stelle etwas bewegt, bewegt sich auch an anderen etwas. Das ist manchmal anstrengend, aber es ist auch die gute Nachricht: Es muss nicht alles auf einmal anders werden.